SPD Konradsreuth

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Rückblick auf 120 Jahre SPD in Konradsreuth

Veröffentlicht am 05.03.2009 in Ortsverein

Siegfried Schörner hielt einen äußerst kurzweiligen Vortrag über die vergangenen 120 Jahre bis zur Gegenwart

Bild Siegfried Schörner
Auszüge aus dem mehr als einstündigen Referat von Siegfried Schörner.
(Quellen: Die Chronik des SPD –Ortsvereins von Volker Hoffmann sowie Zeitdokumente.
Die Gründerzeit der SPD fiel in die Zeit der Industrialisierung, als Fabriken entstanden und damit der Arbeiterstand. Während die herrschende Klasse Vermögen anhäufte, wurde die arbeitende Bevölkerung ausgebeutet. Gleichzeitig strebte das politisch erwachende Bürgertum nach mehr Freiheit und Rechten.
Konradsreuth, damals ein Weberdorf mit 180 meist kleinen Häusern und 1800 Einwohnern, hatte eine Fabrik, die sogenannte „Maschine“, in der Waldlust.
1812 gegründet, war sie in Oberfranken die erste Maschinenspinnerei mit über 100 Arbeitern.
Welch krasse soziale Gegensätze vorhanden waren, verdeutlichte Schörner an folgenden Beispiel:
Im Jahr 1889 zahlte die Neue Baumwollspinnerei Hof an 535 Arbeiter 291485 Mark an Löhnen aus,
also einen Jahresdurchschnittslohn von 545 Mark pro Arbeiter. Ihre Aktionäre aber erhielten bei 100 Aktien zu je 2000 Mark eine Dividende von 20%, demnach 40.000 Mark im gleichen Jahr! Der Tageslohn eines Konradsreuther Handwebers lag bei 1,80 Mark, folglich noch weniger als ein Fabrikarbeiter bekam. Um sich und ihre Familie ernähren zu können, hielten sie sich Haustiere und bauten Kartoffeln und Gemüse an.
Dagegen lebten Fabrikbesitzer, Direktoren und Verleger für die angeblich selbstständigen Hausweber in Saus und Braus.
Nach Bismarks Entlassung im März 1890 durch den Kaiser und die Aufhebung der Sozialistengesetze war die bisher verbotene SPD eine etablierte Fraktion im Reichstag geworden. Bereits ein Jahr vorher wurde in Konradsreuth ein sozialdemokratischer Wahlverein
gegründet. An seiner Spitze stand der Schuhmacher Heinrich Herpich aus dem Blütenweg, sowie die Weber Johann Geißer und Georg Wolf.
Bereits 10 Jahre später wurden 5 SPD Wahlmänner (wie heute noch in Amerika), neben Herpich und Geißer auch Bernhard Raithel, Johann Ritter und Erhard Wolf gewählt. Sie lösten die bisherigen Bürgerlichen und Konservativen Carl Müller
(Bürgermeister und Fabrikant); Christian Wenzel
(Lehrer); Johann Schaller (Schmiedemeister) und Christian Strößner (Gastwirt und Brauereibesitzer), ab.
Nach dem ersten Weltkrieg erlebte der SPD-Ortsverein Höhen und Tiefen. So schnellte die Zahl der Mitglieder durch das von den Sozialdemokraten eingeführte Frauenwahlrecht im März 1919 auf 101 hoch. 1923 zählte der Ortsverein dann nur noch 7 Mitglieder Dazwischen lagen Not, Inflation und wieder Verfolgungen, die ab 1933 durch die Nazis zum völligen Verbot führten.
Bereits vor dem ersten Weltkrieg waren SPD -Mitglieder in den zwei stärksten Vereinigungen von Arbeitern und sogenannten kleinen Leuten im Konsumverein und im Arbeiter-Turner-Bund in Konradsreuth engagiert tätig.
Am 25. November 1945 wurde der SPD-Ortsverein wieder neu gegründet. Es waren jene Männer, die schon vor 1933 aktiv waren: Franz Lochner, der gleichzeitig erster Bürgermeister nach dem 2.Weltkrieg war, Johann Goller, Karl Hager, der spätere langjähriger Bürgermeister, sowie Georg Kleinlein und Joseph Seidel.
Von 1945 bis heute stehen mit Ausnahme des Zeitraums 1984-93 Sozialdemokraten an der Spitze der Gemeinde Konradsreuth.
w.k.

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